Der UGC-Zeitaufwand pro Video ist fast immer größer, als es der Dreh vermuten lässt. Beim Dreh läuft die Kamera, aber davor liegen Briefing, Skript und Aufbau, danach Sichtung, Schnitt, Export und Korrekturen. Wer nur den Dreh zählt, rechnet seinen Preis zu niedrig an.
Hier zerlegst du ein Video in Arbeitsblöcke, schreibst Zeiten bei echten Aufträgen mit und machst auch die Zeit sichtbar, die in keiner Rechnung steht. Am Ende leitest du aus deinen Stunden einen Preis ab. Alle Zahlen sind frei gewählt und zeigen nur den Rechenweg.
UGC-Zeitaufwand pro Video: die Arbeitsblöcke
Bei jedem Video fallen dieselben Schritte an, auch wenn du sie nicht immer bewusst machst:
- Briefing lesen und Rückfragen stellen
- Skript schreiben und abstimmen
- Vorbereitung: Produkt auspacken, Ort und Licht einrichten, Requisiten holen
- Dreh, auch mit mehreren Anläufen
- Sichtung: das Material ansehen und die besten Takes markieren
- Schnitt mit Untertiteln und Feinschliff
- Export und Upload, oft mehrere Fassungen
- Korrekturen nach dem Feedback der Marke
- Nachrichten und Absprachen, die zwischen den Schritten laufen
Diese neun Blöcke sind dein Raster. Jeder bekommt in deiner Liste eine eigene Zeile.
Mitschreiben statt schätzen: drei Aufträge im Vergleich
Schätzungen kommen aus dem Bauch und liegen meist unter der Wahrheit. Starte beim nächsten Auftrag eine einfache Liste, in Minuten, und trag die Zeiten direkt nach jedem Block ein. Hier die Liste von Kian Ostermeyer für drei Aufträge mit je einem Video, mit frei gewählten Zahlen:
| Block | Auftrag A (Kaffeefilter) | Auftrag B (Notizbuch) | Auftrag C (Gartenhandschuhe) |
|---|---|---|---|
| Briefing und Rückfragen | 40 | 30 | 50 |
| Skript | 45 | 40 | 55 |
| Vorbereitung | 30 | 20 | 35 |
| Dreh | 90 | 60 | 100 |
| Sichtung | 30 | 20 | 30 |
| Schnitt | 120 | 90 | 125 |
| Export und Upload | 20 | 15 | 25 |
| Korrekturen | 45 | 30 | 50 |
| Nachrichten | 20 | 15 | 30 |
| Summe (Minuten) | 440 | 320 | 500 |
Zusammen sind das 1.260 Minuten, im Mittel 420 Minuten oder 7 Stunden je Video. Zwei Dinge fallen auf. Der Dreh macht nur etwa ein Fünftel der Zeit aus. Der Schnitt ist mit rund einem Viertel der größte Block. Wer das nie mitgeschrieben hat, plant den falschen Block zu knapp.

Die Zeitliste im Alltag führen
Eine Liste hilft nur, wenn du sie wirklich führst. Drei Gewohnheiten machen es leicht:
- Ein Blatt je Auftrag. Lege die Tabelle an, sobald du zusagst, mit Auftragsname und den neun Zeilen. Ein Ordner mit leeren Zeilen erinnert dich.
- Direkt eintragen. Notiere die Minuten, wenn du einen Block beendest, nicht am Abend. Auch zehn Minuten Rückfrage zählen.
- Nach jedem Auftrag eine Zeile Ursache. Dauerte ein Block deutlich länger als beim letzten Mal, schreib den Grund dazu: unklares Briefing, schlechtes Licht, zu viele Takes.
Nach drei Aufträgen liest du die Liste mit drei Fragen:
- Welcher Block ist am größten, und passt das zu meinem Angebot?
- Welcher Block schwankt am stärksten? Dort fehlt oft eine Absprache, etwa zur Länge oder zur Zahl der Korrekturen.
- Welche Zeit habe ich gar nicht eingeplant, aber gebraucht?
Im Beispiel schwankt die Korrektur zwischen 30 und 50 Minuten. Kian legt deshalb die Zahl der Runden künftig vorab fest und bittet um gebündeltes Feedback.
Versteckte Zeit sichtbar machen
Neben den neun Blöcken gibt es Zeit, die zu keinem Video gehört und trotzdem durch Videos entsteht:
| Posten | Beispiel (frei gewählt) |
|---|---|
| Produktannahme: Paket entgegennehmen, prüfen, das Foto für die Bestätigung | 15 Minuten |
| Rechnung schreiben und versenden | 20 Minuten |
| Dateien benennen und ablegen | 10 Minuten |
| Anteil an der Akquise | 2 Stunden je Auftrag |
Den Akquise-Anteil rechnest du so: Du investierst in einem Monat 8 Stunden in Nachrichten, Zielliste und Nachfassen und gewinnst daraus 4 Aufträge. 8 Stunden geteilt durch 4 Aufträge sind 2 Stunden je Auftrag. Diese Zeit zahlt dir niemand extra, also gehört sie in den Preis. Wie du Akquise planst, steht im Ratgeber UGC-Kunden finden.
Zusammen macht die versteckte Zeit hier 45 Minuten plus 2 Stunden aus, also 2,75 Stunden. Rechnungsangaben und Steuern klärst du mit deiner Steuerberatung.
Vom Zeitaufwand zum Preis
Allgemeine Preise gibt es nicht. Du rechnest von deiner Zeit aus. Das Beispiel nutzt frei gewählte Zahlen, keine Marktpreise, alle Beträge ohne Steuern:
| Posten | Stunden |
|---|---|
| Video mit Skript, Dreh, Schnitt, Korrekturen und Nachrichten (Mittelwert der drei Aufträge) | 7 |
| Versteckte Zeit je Auftrag (Annahme, Rechnung, Dateien) | 0,75 |
| Anteil an der Akquise | 2 |
| 2 zusätzliche Hook-Versionen, je 1 Stunde | 2 |
| Summe | 11,75 |
Kian setzt 40 € je Stunde an: 11,75 × 40 € = 470 €. Für 30 Tage Nutzung durch die Marke rechnet er 20 % Aufschlag: 20 % von 470 € = 94 €. Das Angebot lautet 470 € + 94 € = 564 €.
Welchen Stundensatz du ansetzt, entscheidest du selbst. Hilfe liefert der geplante Rechner Stundensatz berechnen. Mit dem Rechner UGC-Vergütung berechnen gleichst du das Ergebnis ab. Beide rechnen im Browser, ohne zu speichern. Wie du Videos, Hooks und Extras zu festen Angeboten bündelst, zeigt der Ratgeber UGC-Pakete erstellen.
Zeit sparen, ohne dass die Qualität leidet
Nicht jeder Block lässt sich kürzen. Diese Maßnahmen funktionieren, haben aber Grenzen:
| Maßnahme | Wo sie Zeit spart | Grenze |
|---|---|---|
| Skript-Vorlage mit festen Teilen: Einstieg, Nutzen, Abschluss | Skript | Ideen und Wortlaut schreibst du trotzdem neu |
| Mehrere Videos am selben Tag drehen | Vorbereitung | nur sinnvoll bei gleichem Ort und Licht |
| Feste Exportvorgaben für Länge, Format und Dateiname | Export und Upload | Wünsche der Marke gehen vor |
| Rückfragen gebündelt in einer Nachricht | Briefing, Nachrichten | funktioniert nur mit vollständigem Briefing |
| Dateien nach festem Muster ablegen | Dateien sortieren | braucht einmal Zeit zum Einrichten |
Beim Briefing und bei der Sichtung zu sparen rächt sich meist: Ein unklares Briefing erzeugt Korrekturen, und ein ungesehener Take fehlt im Schnitt. Wie du Ordner so aufbaust, dass du alles findest, zeigt der Ratgeber UGC-Ordnerstruktur. Weniger Korrekturen erreichst du mit klaren Runden, siehe UGC-Korrekturen.
Mit Management: Umfang, Fristen und Chat im Creator-Portal
Läuft ein Auftrag über ein Management, das CreatorOffice nutzt, siehst du im Creator-Portal am Handy:
- Deal im Detail: Umfang, Plattform, Nutzungsdauer und Termin der Content-Abgabe
- Kalender: Entwurfsfristen und Posting-Termine, auf Wunsch mit Erinnerung am Vortag per Mail
- Content hochladen: Das Team gibt frei oder fordert eine Korrektur an. CreatorOffice zählt die vereinbarten Korrekturschleifen mit.
- Nachrichten: Chat mit dem Team direkt an der Kooperation, damit Rückfragen nicht in vielen Kanälen verstreut sind
Die Zeiten für deine Arbeitsblöcke schreibst du weiterhin selbst mit. Den Zugang bekommst du per Einladung deines Managements. Wie das Portal aussieht, zeigt die Seite Für Creator.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein UGC-Video?
Das hängt vom Umfang, vom Produkt und von dir ab. Pauschale Angaben helfen deshalb nicht. Im Beispiel liegen drei Videos zwischen gut fünf und gut acht Stunden. Schreib deine eigenen Zeiten über einige Aufträge mit, dann hast du echte Werte.
Wie erfasse ich meine Arbeitszeit am einfachsten?
Mit einer Tabelle, in der jede Zeile ein Arbeitsblock ist und jede Spalte ein Auftrag. Trag die Minuten direkt nach jedem Block ein, nicht am Abend aus dem Kopf.
Welche Zeit vergessen UGC-Creator am häufigsten?
Briefing und Rückfragen, Produktannahme, Korrekturen und die Nachrichten zwischendurch. Dazu kommt die Zeit für Akquise, die du auf die Aufträge umlegen solltest.
Wie kommt aus dem Zeitaufwand ein Preis?
Du multiplizierst die Stunden mit deinem Stundensatz, rechnest Extras wie zusätzliche Hook-Versionen dazu und schlägst einen Betrag für den Nutzungsumfang auf. Das Ergebnis ist dein Angebot.
Werde ich mit der Zeit schneller?
Meist ja, vor allem bei Aufbau, Skriptstruktur und Export. Dann sinkt der Zeitaufwand, und dein Preis kann trotzdem gleich bleiben, weil er den Wert der Arbeit abbildet und nicht nur die Stunden.
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