Deine erste Kooperation als Influencer beginnt meist mit einer kurzen Nachricht: Eine Marke fragt, ob du ihr Produkt vorstellen möchtest. Bis das Honorar auf deinem Konto ist, folgen acht Schritte. Wer sie kennt, sagt nicht vorschnell zu, plant genug Zeit ein und wartet nicht wochenlang auf sein Geld.
In diesem Ratgeber gehst du jeden Schritt deiner ersten Markenkooperation einmal durch: was passiert, welche Fragen du stellst und welche Fehler am Anfang oft passieren. Dazu bekommst du eine Vorlage für deine Antwort an die Marke, eine Checkliste für die Zusage und ein Rechenbeispiel für deinen ersten Preis.
Erste Kooperation als Influencer: die acht Schritte im Überblick
Jede Kooperation läuft etwas anders. Der Ablauf einer Kooperation folgt aber fast immer derselben Reihenfolge:
- Anfrage prüfen: Ist sie echt, und passt die Marke zu dir?
- Rückfragen stellen: Was genau will die Marke, bis wann und wofür?
- Angebot machen: Du nennst deinen Preis und was darin enthalten ist.
- Zusage festhalten: Alle Absprachen stehen schriftlich an einem Ort.
- Briefing lesen und planen: Du planst vom Veröffentlichungstermin rückwärts.
- Entwurf und Freigabe: Die Marke prüft deinen Entwurf, du arbeitest Korrekturen ein.
- Veröffentlichen und belegen: Du postest und schickst Link, Datum und Zahlen.
- Rechnung und Zahlung: Du stellst die Rechnung und behältst das Zahlungsziel im Blick.

Schritt 1: Die Anfrage prüfen
Freu dich über die Anfrage, aber sag nicht sofort zu. Prüf zuerst zwei Dinge.
Ist die Anfrage echt? Es gibt gefälschte Kooperationsanfragen. Sei vorsichtig, wenn:
- die Absenderadresse nicht zur Website der Marke passt,
- du dich über einen Link irgendwo anmelden sollst,
- du vorab etwas bezahlen sollst, etwa für das Produkt oder den Versand,
- Druck gemacht wird, zum Beispiel mit „nur heute“ oder „sofort zusagen“.
Gib nie Passwörter oder Zugangsdaten heraus. Im Zweifel schreibst du die Marke über ihre offizielle Website oder ihr bekanntes Profil an und fragst nach.
Passt die Marke zu dir? Würdest du das Produkt auch ohne Geld empfehlen? Passt es zu deinen Themen und zu deiner Community? Eine Kooperation, hinter der du nicht stehst, merkt deine Community schnell. Wie du das prüfst, zeigt der Ratgeber Brand Fit für Influencer.
Schritt 2: Rückfragen stellen und die Kooperationsanfrage beantworten
Viele erste Anfragen sind ungenau. „Hättest du Lust auf eine Kooperation?“ reicht nicht für eine Zusage. Antworte freundlich und frag nach dem, was dir fehlt.
Vorlage: Antwort auf eine Kooperationsanfrage
Hallo [Name],
danke für eure Nachricht, ich freue mich über euer Interesse. Damit ich euch ein passendes Angebot schicken kann, habe ich ein paar Fragen:
1. Welche Inhalte wünscht ihr euch, zum Beispiel ein Reel oder Stories, und auf welcher Plattform? 2. In welchem Zeitraum soll der Beitrag erscheinen? 3. Gibt es ein Briefing mit Vorgaben? 4. Möchtet ihr den Inhalt selbst weiter nutzen, etwa auf eurem Kanal oder in Anzeigen? Wenn ja, wie lange? 5. Mit welchem Budget plant ihr?
Sobald ich das weiß, melde ich mich mit einem Angebot.
Viele Grüße [Dein Name]
Die Frage nach dem Budget ist nicht unhöflich. Sie spart beiden Seiten Zeit, denn liegt das Budget weit unter deinem Preis, wisst ihr es sofort.
Schritt 3: Angebot machen und deinen Preis rechnen
Für die erste Kooperation fehlt dir oft ein Gefühl für den Preis. Allgemeingültige Zahlen gibt es nicht. Rechne deshalb von deinem eigenen Aufwand aus:
- Aufwand schätzen: Idee, Dreh, Schnitt, Text, Abstimmung und Korrekturen, in Stunden.
- Stundensatz festlegen: Was muss eine Arbeitsstunde für dich mindestens bringen?
- Nutzung dazurechnen: Will die Marke deinen Inhalt selbst zeigen, ist das ein Extra.
- Extras prüfen: etwa zusätzliche Stories, Rohmaterial oder eine Sperrzeit für andere Marken.
Rechenbeispiel (frei gewählte Zahlen, keine Marktpreise, alle Beträge ohne Steuern): Die Creatorin Elin Berg soll für die Marke Velune ein Reel und drei Stories machen. Sie schätzt 6 Stunden Aufwand und rechnet mit 50 € je Stunde: 6 × 50 € = 300 €. Velune möchte das Reel 30 Tage auf dem eigenen Kanal zeigen. Dafür rechnet Elin 20 % Aufschlag: 20 % von 300 € = 60 €. Ihr Angebot lautet also 300 € + 60 € = 360 €.
Schreib ins Angebot, was enthalten ist: Inhalte, Anzahl der Korrekturschleifen, Nutzung, Termine und Zahlungsziel. Dann gibt es später keine Missverständnisse. Wie du Preise genauer kalkulierst, zeigt der Ratgeber Influencer-Preise kalkulieren. Willst du deinen Preis mit der Reichweite vergleichen, hilft der Rechner TKP berechnen.
Schritt 4: Die Zusage schriftlich festhalten
Sagt die Marke Ja, halte alle Absprachen schriftlich fest. Oft schickt die Marke einen Vertrag. Manchmal reicht eine E-Mail, in der alle Punkte stehen. Diese Punkte gehören hinein:
Bekommst du einen Vertrag, lies ihn vollständig, bevor du unterschreibst. Was einzelne Klauseln bedeuten, klärst du mit einer Kanzlei. Mehr zu Sperrzeiten findest du im Ratgeber Exklusivität in Influencer-Kooperationen.
Schritt 5: Briefing lesen und rückwärts planen
Das Briefing sagt dir, was die Marke sich wünscht: Botschaft, Pflichtangaben, was in den Beitrag gehört und was nicht, dazu die Termine. Lies es zweimal und frag sofort nach, wenn etwas unklar ist. Später kostet jede Unklarheit eine Korrekturschleife.
Plan dann vom Veröffentlichungstermin rückwärts. Ein Beispiel mit frei gewählten Daten:
| Was | Bis wann |
|---|---|
| Dreh und Schnitt | 12. Oktober |
| Entwurf an die Marke | 13. Oktober |
| Korrekturen eingearbeitet | 16. Oktober |
| Freigabe durch die Marke | 17. Oktober |
| Veröffentlichung | 20. Oktober |
Plane einen Puffer ein. Die Marke braucht Zeit zum Prüfen, und manchmal kommt eine zweite Runde.
Schritt 6: Entwurf, Korrekturen und Freigabe
Schick deinen Entwurf pünktlich und so, dass die Marke ihn leicht prüfen kann: als Video oder Bild mit dem geplanten Text. Schreib dazu, bis wann du die Rückmeldung brauchst.
Bei Korrekturen hilft eine einfache Regel: Zähl mit. Sind zwei Korrekturschleifen vereinbart und die Marke will eine dritte, sprich das freundlich an. Eine kleine Änderung kannst du oft ohne Aufpreis machen. Bei größeren Änderungen nennst du den Mehraufwand, bevor du loslegst. Mehr dazu im Ratgeber Korrekturschleifen bei Influencer-Kooperationen.
Veröffentliche erst, wenn die Freigabe schriftlich vorliegt.
Schritt 7: Veröffentlichen und belegen
Poste zum vereinbarten Termin. Danach schickst du der Marke einen kurzen Beleg:
- Link zum Beitrag und Datum der Veröffentlichung
- Screenshots der Zahlen, die ihr vereinbart habt, etwa Reichweite oder Aufrufe nach einigen Tagen
- bei Stories: Screenshots, bevor die Stories verschwinden
Wie du aus deinen Zahlen die Engagement-Rate ausrechnest, zeigt der Rechner Engagement-Rate berechnen. Wie du die Kooperation als Werbung kennzeichnest, klärst du verbindlich mit einer Kanzlei.
Schritt 8: Rechnung schreiben und die Zahlung im Blick behalten
Schreib die Rechnung, sobald es vereinbart ist, meist nach der Veröffentlichung. Je eher sie bei der Marke ist, desto eher beginnt das Zahlungsziel. Nenn die Kooperation und den Zeitraum, damit die Marke die Rechnung zuordnen kann. Welche Angaben eine Rechnung braucht, klärst du mit deiner Steuerberatung.
Trag das Zahlungsziel sofort in deinen Kalender ein. Ist der Tag vorbei und kein Geld da, frag freundlich nach:
Hallo [Name], meine Rechnung [Nummer] für die Kooperation [Name] war am [Datum] fällig. Ich habe noch keinen Zahlungseingang gesehen. Könnt ihr bitte kurz prüfen, ob sie bei euch angekommen ist? Danke dir!
Wie Fristen für Zahlungen funktionieren, erklärt der Ratgeber Zahlungsziel vereinbaren.
Typische Fehler bei der ersten Kooperation
Zusagen, bevor alles geklärt ist
Ein schnelles „Ja, gern!“ fühlt sich gut an. Ist danach unklar, was genau du lieferst, gibt es Ärger. Erst Rückfragen, dann Angebot, dann Zusage.
Keine Zeit für Korrekturen
Wer den Entwurf am Tag vor der Veröffentlichung schickt, gerät unter Druck. Plan rückwärts und mit Puffer.
Die Nutzung vergessen
Die Marke zeigt dein Video Monate später in einer Anzeige, und darüber wurde nie gesprochen. Kläre die Nutzung vorher und nimm sie in dein Angebot auf.
Die Zahlung nicht nachhalten
Offene Rechnungen geraten schnell in Vergessenheit. Notier jede Rechnung mit Betrag und Fälligkeit und frag nach, wenn das Geld fehlt.
Mit Management: die erste Kooperation im Creator-Portal
Viele Influencer arbeiten mit einem Management. Es verhandelt mit Marken, kümmert sich um Rechnungen und behält Fristen im Blick. Nutzt dein Management CreatorOffice, siehst du im Creator-Portal am Handy:
- Deine Deals: jede Kooperation je Monat mit Stand, deinem Anteil und der nächsten Frist
- Was du abgibst: Umfang, Plattform, Nutzungsdauer und Abgabetermin
- Deinen Kalender: Fristen für Entwürfe und Postings, auf Wunsch mit Erinnerung am Vortag per Mail
- Content und Freigabe: Du lädst Entwürfe hoch und siehst, ob dein Management oder die Marke am Zug ist
- Verträge: Du unterschreibst per Link, auch am Handy
- Belege: Du meldest deinen veröffentlichten Beitrag mit Link und Datum
- Rechnungen: Du reichst deine Rechnung ein und siehst Prüfung, Freigabe und Zahlung
- Nachrichten: Du schreibst mit deinem Management direkt an der Kooperation
Den Zugang bekommst du per Einladung deines Managements. Wie das Portal aussieht, zeigt die Seite Für Creator.

Häufige Fragen
Wie läuft eine Kooperation mit einer Marke ab?
In acht Schritten: Anfrage prüfen, Rückfragen stellen, Angebot machen, Zusage schriftlich festhalten, Briefing lesen und planen, Entwurf und Freigabe, Veröffentlichung mit Beleg, Rechnung und Zahlung. Die Reihenfolge ist fast immer gleich, nur die Details unterscheiden sich.
Woran erkenne ich eine gefälschte Kooperationsanfrage?
Vorsicht bei Absenderadressen, die nicht zur Marke passen, bei Links zum Anmelden, bei Zahlungen, die du vorab leisten sollst, und bei Zeitdruck. Gib nie Zugangsdaten heraus und frag im Zweifel über die offizielle Website der Marke nach.
Was muss ich vor der Zusage klären?
Leistung, Termine, Freigabe mit der Zahl der Korrekturschleifen, Nutzung durch die Marke, Exklusivität, Honorar und Zahlungsziel. Halte alles schriftlich fest, in einem Vertrag oder in einer E-Mail.
Wann wird man als Influencer bezahlt?
Das legt ihr bei der Zusage fest. Meist stellst du nach der Veröffentlichung eine Rechnung, und die Marke zahlt innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels. Ist das Ziel vorbei, fragst du freundlich nach.
Brauche ich für die erste Kooperation ein Management?
Nein, viele erste Kooperationen laufen direkt mit der Marke. Ein Management lohnt sich, wenn Anfragen, Verhandlungen und Rechnungen mehr Zeit kosten, als du hast. Es verhandelt für dich und behält Fristen und Zahlungen im Blick.
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