UGC-Rohmaterial anbieten bedeutet, einer Marke zusätzlich zum fertigen Video die ungeschnittenen Aufnahmen zu übergeben, gegen einen eigenen Preis. Das ist eine Zusatzleistung mit Aufwand, denn du sortierst, benennst und übergibst die Dateien. Du entscheidest, ob du sie anbietest, in welchem Umfang und für wie viel.
Dieser Ratgeber klärt, was zum Rohmaterial gehört, warum Marken danach fragen, wie du es berechnest und wie du es übergibst. Dazu gibt es ein Rechenbeispiel mit frei gewählten Zahlen und eine Antwort-Vorlage.
Was zum UGC-Rohmaterial gehört und was nicht
Rohmaterial, im Englischen oft „Raw Footage“, sind die Aufnahmen, wie sie aus der Kamera kommen. Frag bei jeder Anfrage nach, was genau gemeint ist, denn Marken benutzen das Wort unterschiedlich.
| Gehört dazu | Gehört nicht dazu |
|---|---|
| Alle Takes eines Drehs, auch Wiederholungen | Dein fertiges Video und die Hook-Versionen |
| Ungeschnittene Produktaufnahmen und Detailbilder | Entwürfe, die schon im Schnitt sind |
| Ton, den du separat aufgenommen hast | Dein Skript und deine Notizen |
| Eine Liste, welche Datei was zeigt | Fehlversuche, die du aussortierst |
Willst du Fehlversuche nicht weitergeben, sortierst du vor. Wer „alles“ verlangt, bekommt nur, was du ausdrücklich zusagst.
Warum Marken Rohmaterial wollen
Marken fragen aus drei Gründen danach:
- Eigene Schnitte: Das Team will Szenen anders zusammenstellen oder kürzen.
- Weitere Anzeigen: Aus einem Dreh sollen mehrere Anzeigen entstehen.
- Tests mit anderen Einstiegen: Die Marke probiert andere erste Sekunden aus.
Das ist nachvollziehbar, und es ist für dich ein Zusatzauftrag. Du darfst Nein sagen, wenn dir das Material zu persönlich oder zu unfertig ist. Du darfst auch Ja sagen und es bezahlen lassen.
UGC-Rohmaterial anbieten: Ja oder Nein?
Prüfe diese Fragen der Reihe nach:
- Hast du es im Angebot genannt? Nein? Dann ist es ein Zusatz und bekommt einen Preis.
- Ist das Material für Dritte geeignet? Siehst du darin dein Zuhause, andere Personen oder private Dinge, sortierst du aus oder lehnst ab.
- Reicht dein Zeitplan? Das Sortieren braucht Zeit, die du vor der Lieferfrist einplanst.
- Passt der Preis zum Aufwand? Rechne zuerst, antworte danach.
Ein Ja nach allen vier Fragen ist ein gutes Zeichen.
Rohmaterial berechnen: zwei Wege
Es gibt zwei saubere Wege. Du rechnest beide und nimmst den, der deinen Aufwand deckt. Das Beispiel nutzt frei gewählte Zahlen, keine Marktpreise, alle Beträge ohne Steuern. Elin Berg rechnet mit 40 € je Stunde. Sie hat 40 Clips gedreht, zusammen etwa 25 Minuten Material, und das Video kostet 450 €.
Weg 1: Aufwand plus Aufschlag für die Nutzung
| Schritt | Aufwand |
|---|---|
| Clips sichten und Fehlversuche aussortieren | 1,5 Stunden |
| Dateien benennen und in Ordner legen | 1 Stunde |
| Liste schreiben, Export und Link vorbereiten | 0,5 Stunden |
Zusammen 3 Stunden, bei 40 € je Stunde sind das 120 €. Dazu kommt ein Aufschlag von 20 % für 30 Tage Nutzung des Materials: 20 % von 120 € sind 24 €. Preis: 144 €.
Weg 2: Prozent vom Videopreis
25 % von 450 € sind 112,50 €. Das ist einfach zu nennen, deckt aber deinen Aufwand von 120 € plus Nutzung nicht ganz.
So entscheidest du
Liegt Weg 2 unter Weg 1, nimm Weg 1. Du verkaufst Arbeit, keinen Prozentsatz. Bei sehr wenig Material kann Weg 2 höher liegen. Dann zählt Weg 2 als Mindestbetrag. Mehr Menge kostet mehr: Bei 80 statt 40 Clips verdoppelt sich meist der Sortieraufwand.
Die Summe gleichst du mit dem Rechner UGC-Vergütung berechnen ab, der ein eigenes Feld für Rohmaterial als festen Betrag hat. Er rechnet im Browser, ohne zu speichern, und gibt keinen Preis vor. Alles zu Paketen findest du im Ratgeber UGC-Pakete erstellen.
Auswahl und Übergabe: vorsortiert oder komplett
Entscheide, was die Marke bekommt:
| Variante | Du gibst | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Vorsortiert | Nur brauchbare Takes, benannt | Die Marke findet schnell, was sie braucht | Du sortierst zuerst |
| Komplett | Alle Aufnahmen | Wenig Aufwand für dich | Marke sieht auch Fehlversuche |

So legst du die Übergabe an:
- Ordner: Ein Ordner je Auftrag, darin „sortiert“, „komplett“ und eine Liste.
- Namen: Marke, Produkt, Datum und Nummer, etwa „Kalmira_Serum_2026-10-06_Take-07“.
- Liste: Eine kurze Datei, welche Datei was zeigt.
- Link: Lade den Ordner hoch und teile einen Link mit Ablaufdatum, etwa nach 14 Tagen. Gib den Link nur an die Ansprechperson.
- Bestätigung: Bitte um eine kurze Antwort, wenn alles angekommen ist.
Die Übergabe des fertigen Videos folgt demselben Muster, mehr dazu im Ratgeber UGC-Videos liefern.
Nutzungsumfang für das Rohmaterial festhalten
Das Video und das Rohmaterial können unterschiedlich lange und auf unterschiedlichen Kanälen laufen. Schreib deshalb eigene Zeilen ins Angebot: „Nutzung Rohmaterial: 30 Tage, eigene Kanäle und Anzeigen“. Was das Material rechtlich bedeutet und wem es gehört, klärst du mit einer Kanzlei. Mehr zum Nutzungsumfang als Preisbaustein steht im Ratgeber UGC-Nutzungsumfang im Angebot.
Vorlage: Antwort auf eine Rohmaterial-Anfrage
Hallo [Name], gern liefere ich Rohmaterial mit. Das umfasst [vorsortierte Takes / alle Aufnahmen] dieses Drehs, benannt und mit einer Liste. Dafür berechne ich [Betrag]. Die Nutzung ist für [Dauer] auf [Kanälen] vorgesehen. Ihr bekommt einen Link, der 14 Tage gültig ist. Wofür braucht ihr das Material? Dann prüfe ich, ob eine weitere Hook-Version oder ein Zuschnitt für euch reicht. Viele Grüße, Elin Berg
Wenn die Marke erst nach der Lieferung fragt
Das passiert oft: Das Video ist abgegeben und abgenommen, dann kommt die Bitte „Schickst du uns noch die Clips?“. Geh so vor:
- Prüf, ob die Dateien noch da sind. Hast du den Dreh gelöscht, sag es offen. Ein Angebot für etwas, das nicht mehr existiert, hilft niemandem.
- Nenne Aufwand und Preis in einer Antwort, nicht erst nach drei Nachrichten.
- Nenne einen Liefertermin, der zu deinen laufenden Aufträgen passt, und halte ihn.
- Schick das Material erst nach der Bestätigung des Preises.
Lösche Rohmaterial deshalb nicht sofort nach der Abnahme. Leg fest, wie lange du es aufhebst, etwa 60 Tage, und schreib es in dein Angebot: „Rohmaterial bewahre ich 60 Tage nach Lieferung auf.“ Dann weiß die Marke, bis wann sie fragen kann, und du musst nicht ewig Speicherplatz vorhalten.
Mit Management: Abgabe im Creator-Portal
Arbeitest du mit einem Management oder einer Agentur, die CreatorOffice nutzt, hast du im Creator-Portal am Handy diese Punkte beisammen:
- Deal im Detail: Umfang, Plattform, Nutzungsdauer und Termin für die Content-Abgabe
- Content hochladen: Du lädst deine Entwürfe und Fassungen hoch, das Team gibt frei oder fordert eine Korrektur an. Wie Rohmaterial übergeben wird, sprichst du mit dem Team ab.
- Nachrichten: Rückfragen zu Zusatzwünschen stellst du im Chat direkt an der Kooperation.
- Kalender: Fristen und Termine, auf Wunsch mit Erinnerung am Vortag per Mail
Den Zugang bekommst du per Einladung deines Managements. Wie das Portal aussieht, zeigt die Seite Für Creator.
Häufige Fragen
Was ist UGC-Rohmaterial?
Es sind die ungeschnittenen Aufnahmen eines Drehs: alle Takes, Produktaufnahmen und Detailbilder. Das fertige Video, Hook-Versionen und Entwürfe zählen nicht dazu.
Muss ich Rohmaterial herausgeben?
Nur, wenn du es zugesagt hast. Steht es nicht im Angebot, ist es ein Zusatz, den du ablehnen oder gegen Aufpreis anbieten darfst. Frag zurück, wofür die Marke es braucht.
Wie berechne ich Rohmaterial?
Rechne den Aufwand fürs Sortieren, Benennen und Übergeben in Stunden und multipliziere mit deinem Stundensatz. Schlag einen Aufschlag für die Nutzung drauf. Prüf zusätzlich, ob ein fester Prozentsatz vom Videopreis höher liegt.
Wie übergebe ich Rohmaterial am besten?
Sortiert, mit klaren Dateinamen und einer Liste, über einen Link mit Ablaufdatum. Gib den Link nur an die Ansprechperson und bitte um eine Eingangsbestätigung.
Darf die Marke das Rohmaterial beliebig nutzen?
Nur im vereinbarten Umfang. Schreib Dauer, Kanäle und Anzeigen für das Rohmaterial ins Angebot. Alles Rechtliche dazu klärst du mit einer Kanzlei.
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