„Wir würden gern erst ein Probevideo von dir sehen. Wenn es passt, gibt es danach regelmäßig Aufträge.“
Ein kostenloses UGC-Video ist ein Video, das du ohne Honorar für eine Marke drehst: als Probe vor dem Auftrag, im Tausch gegen ein Produkt oder als eigene Arbeitsprobe. Ob das sinnvoll ist, hängt von drei Dingen ab: wie viel Zeit es dich kostet, ob die Marke das Video nutzt und was du dafür bekommst, das nachprüfbar ist.
Hier unterscheidest du die drei Formen, rechnest den Wert eines Probevideos aus und lernst Alternativen kennen. Wenn du zusagst, begrenzt du den Umfang. Wenn nicht, hast du Formulierungen für eine freundliche Absage mit Gegenvorschlag.
Kostenloses UGC-Video: drei Formen, drei Entscheidungen
Wer um ein kostenloses UGC-Video bittet, meint nicht immer dasselbe. Dahinter stecken drei Situationen:
| Form | Was passiert | Wer entscheidet |
|---|---|---|
| Probevideo vor dem Auftrag | Die Marke bekommt ein Video von dir und entscheidet danach, ob sie dich bucht | du, nach den drei Fragen unten |
| Video gegen Produkt | Du drehst für die Marke, bezahlt wird mit dem Produkt | du, mit dem Wert beider Seiten im Blick |
| Eigenes Beispielvideo | Du drehst ohne Auftraggeber, für dein Portfolio | allein du, siehe UGC-Beispielvideos drehen |
In diesem Ratgeber geht es um die ersten beiden: Content für die Marke ohne Honorar. Postest du ein Produkt gegen Ware auf deinem eigenen Profil, ist das eine andere Entscheidung als hier. Wie solche Produkte steuerlich behandelt werden, klärst du mit deiner Steuerberatung.
Drei Fragen vor jeder Zusage
Beantworte sie schriftlich, bevor du antwortest. Das dauert fünf Minuten und verhindert Ärger.
1. Wie viel Zeit kostet das Video? Schätze alle Blöcke von Skript bis Export. Wie du das genau erfasst, zeigt der Ratgeber UGC-Zeitaufwand pro Video.
2. Nutzt die Marke das Video? Darf sie es in Anzeigen, im Shop oder auf ihren Kanälen einsetzen, ist es kein Probevideo mehr, sondern ein Auftrag ohne Bezahlung. Der Nutzungsumfang ist ein Teil des Angebots und hat einen Wert.
3. Was bekommst du, das du nachprüfen kannst? „Wenn es passt, gibt es regelmäßig Aufträge“ ist ein Wunsch, kein Versprechen. Anders klingt: „Wir buchen bei Gefallen ein Paket mit drei Videos im November.“ Das lässt sich schriftlich festhalten.

Ein Rechenbeispiel mit frei gewählten Zahlen, keine Marktpreise, alle Beträge ohne Steuern: Creator Jona Wiese soll für die Marke Brivia ein Probevideo drehen. Er schätzt 5 Stunden und rechnet mit 40 € je Stunde: 5 × 40 € = 200 €. Brivia möchte das Video 30 Tage in Anzeigen zeigen. Dafür setzt Jona 20 % an: 20 % von 200 € = 40 €. Der Wert des Videos beträgt 240 €. Bietet Brivia dafür ein Produkt im Wert von 35 €, ist die Lücke offensichtlich. Den Wert für deine eigenen Zahlen prüfst du im Rechner UGC-Vergütung berechnen, der im Browser rechnet und nichts speichert.
Als Faustregel gilt: Sagst du nur zu, wenn mindestens zwei der drei Antworten für dich sprechen. Zum Beispiel: kleiner Zeitaufwand, keine Nutzung durch die Marke und eine schriftlich belegte Aussicht.
Alternativen: bezahltes Testvideo und Arbeitsprobe
Du musst nicht zwischen „kostenlos“ und „Nein“ wählen. Zwei Wege liegen dazwischen.
Bezahltes Testvideo mit kleinem Umfang. Du bietest ein Mini-Paket an: ein Video, ein Hook, eine Korrekturrunde, kurze Nutzung. Das ist eine echte Probe, nur mit Preis. Beispiel mit frei gewählten Zahlen: 1 Video zu 4 Stunden, 4 × 40 € = 160 €, dazu 20 % für 30 Tage Nutzung, 20 % von 160 € = 32 €. Das Testvideo kostet 192 €. Die Marke sieht, wie du arbeitest, und du bekommst Honorar. Wie du Mini-Pakete baust, steht im Ratgeber UGC-Pakete erstellen.
Arbeitsprobe aus dem Portfolio. Du schickst ein vorhandenes Video aus einem ähnlichen Bereich, mit dem Hinweis, dass es Teil deines Portfolios ist. Das kostet dich keine neue Arbeitszeit. Eine Marke, die ernsthaft Interesse hat, kann sich auf dieser Basis entscheiden.
Typische Sätze von Marken und passende Antworten
Dieselben Formulierungen kommen immer wieder. Mit einer Antwort im Kopf reagierst du ruhig:
| Die Marke schreibt | Was dahinterstecken kann | Deine Antwort |
|---|---|---|
| „Das ist nur ein kleines Video.“ | Die Marke unterschätzt den Aufwand | „Auch ein kurzes Video braucht Skript, Dreh und Schnitt. Ich schicke dir einen Preis für den kleinen Umfang.“ |
| „Wir testen gerade mehrere Creator.“ | Sie sammelt Material, nicht Zusagen | „Gern als bezahltes Testvideo, dann bist du mit einer klaren Probe dabei.“ |
| „Du bekommst dafür Reichweite.“ | UGC läuft über die Kanäle der Marke, nicht über deine | „Bei UGC kaufen Marken den Content, nicht meine Reichweite.“ |
| „Danach gibt es viele weitere Aufträge.“ | Ein Wunsch ohne Zahl | „Welche Aufträge sind geplant, und wann? Das halte ich gern schriftlich fest.“ |
| „Das Produkt ist doch auch etwas wert.“ | Der Wert steht gegen deine Arbeitszeit | „Gern rechne ich den Wert beider Seiten durch und schicke dir ein Angebot.“ |
Bleib in allen Fällen freundlich und konkret. Du musst nicht überzeugen, du legst nur eine Alternative auf den Tisch. Marken, die ernsthaft mit dir arbeiten wollen, gehen darauf ein. Wer nur kostenloses Material sucht, meldet sich nicht mehr, und das erspart dir einen Auftrag, der sich nicht lohnt.
Wenn du zusagst: Umfang und Nutzung begrenzen
Manchmal ist ein Probevideo klug, zum Beispiel für eine Marke, die du sehr gern hättest. Dann gelten feste Grenzen. Schreib sie in einer kurzen Nachricht auf und bitte um Bestätigung:
Weicht die Marke bei Nutzung oder Folge aus, ist das ein Hinweis, dass sie vor allem das Video will. Was Nutzung vertraglich bedeutet und wie du sie absicherst, klärst du mit einer Kanzlei.
Freundlich absagen mit Gegenvorschlag
Eine Absage kostet dich keine Aufträge, wenn sie klar und freundlich ist und einen Weg zeigt. Hier zwei Vorlagen.
Vorlage: Absage mit bezahltem Testvideo
Hallo [Name], danke für euer Interesse. Ein unbezahltes Probevideo biete ich nicht an, weil jedes Video bei mir mehrere Stunden Arbeit bedeutet. Als Alternative mache ich euch gern ein kleines Testvideo zum festen Preis: 1 Video, 1 Hook, 1 Korrekturrunde, 30 Tage Nutzung. Dann seht ihr, wie ich arbeite, und wir starten ohne Risiko. Soll ich euch ein Angebot schicken?
Vorlage: Absage bei Video gegen Produkt
Hallo [Name], danke für das Angebot mit dem Produkt. Für Videos, die ihr selbst nutzt, arbeite ich nur gegen Honorar. Ich schicke euch gern ein Angebot, das zu eurem Budget passt, oder eine Arbeitsprobe aus meinem Portfolio. Viele Grüße, [Dein Name]
Mehr zum Thema Absagen findest du im Ratgeber Kooperation absagen.
Mit Management: Umfang und Anteil im Creator-Portal
Wird dein Probevideo über ein Management oder eine Agentur gebucht, die CreatorOffice nutzt, steht der Auftrag im Creator-Portal am Handy:
- Deine Deals: Kooperationen je Monat mit Stand, deinem Anteil und der Frist
- Deal im Detail: Umfang, Plattform, Nutzungsdauer und Termin der Content-Abgabe
- Content hochladen: Das Team gibt frei oder fordert eine Korrektur an
- Rechnungen: Du reichst deine Rechnung ein und siehst Prüfung, Freigabe und Zahlung
Den Zugang bekommst du per Einladung deines Managements. Ob dein Management Probevideos annimmt, besprichst du dort. Wie das Portal aussieht, zeigt die Seite Für Creator.
Häufige Fragen
Soll ich als UGC-Creator kostenlose Videos machen?
Nur nach den drei Fragen: geringer Zeitaufwand, keine Nutzung durch die Marke, belegte Aussicht. Trifft das nicht zu, biete ein bezahltes Testvideo oder eine Arbeitsprobe aus dem Portfolio an.
Was ist ein bezahltes Probevideo?
Ein Mini-Paket mit kleinem Umfang zum festen Preis, zum Beispiel ein Video, ein Hook und eine Korrekturrunde. Es ist eine echte Probe der Zusammenarbeit, aber mit Honorar.
Kann ich UGC gegen Produkt machen?
Du kannst es, wenn der Wert des Produkts zu deiner Arbeitszeit und der Nutzung passt. Rechne beides aus und stell sie gegenüber. Steuerliche Fragen dazu klärst du mit deiner Steuerberatung.
Wie sage ich ein kostenloses UGC-Video freundlich ab?
Bedank dich, nenne den Grund in einem Satz und mach einen Gegenvorschlag: bezahltes Testvideo oder Arbeitsprobe. Die Vorlagen oben lassen sich direkt übernehmen.
Was, wenn die Marke sagt, andere Creator machen es kostenlos?
Du musst nicht mitziehen. Bleib freundlich, verweise auf dein Angebot und biete den kleinen Umfang an. Ob die Marke zu dir passt, siehst du an ihrer Antwort.
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