Eine Kooperationsanfrage nachfassen als Influencer ist dann sinnvoll, wenn du zuerst klärst, was genau offen ist. Keine Antwort auf einen kalten Pitch ist etwas anderes als ein „Klingt spannend“ ohne nächsten Schritt. Und ein bereits verschicktes Angebot braucht eine andere Erinnerung als eine erste Kontaktmail.
Deshalb bekommst du hier nicht eine universelle Follow-up-Vorlage, sondern drei kurze Nachrichten für drei verschiedene Situationen. Dazu kommt ein einfaches System, mit dem offene Pitches nicht im Postfach verschwinden.
Kooperationsanfrage nachfassen als Influencer: zuerst den Status bestimmen
Bevor du schreibst, ordne die Anfrage einer dieser drei Situationen zu:
| Situation | Was fehlt wirklich? | Ziel deiner Nachricht |
|---|---|---|
| Auf den Erstkontakt kam nichts | du weißt nicht, ob Interesse besteht | kurze Ja-/Nein-Reaktion ermöglichen |
| Die Marke hat Interesse gezeigt | der nächste Schritt wurde nicht festgelegt | Termin, Briefing oder Eckdaten vereinbaren |
| Dein Angebot liegt bei der Marke | eine Entscheidung oder Rückfrage fehlt | klären, ob das Angebot weiter geprüft wird |
Diese Unterscheidung klingt simpel, verändert aber die ganze Nachricht. „Ich wollte nur mal nachhaken“ hilft in keiner der drei Situationen, weil die empfangende Person danach immer noch überlegen muss, was du von ihr brauchst.
Fall A: Auf deine erste Pitch-Mail kam keine Antwort
Du hast die Marke selbst angeschrieben und nichts gehört. Dann wiederholst du nicht die komplette Vorstellung. Hol nur die Idee zurück ins Blickfeld und mach eine kurze Antwort leicht.
Betreff: Re: Kooperationsidee für [Thema]
Hallo [Name],
ich hole meine Mail zu der Idee für [kurze Beschreibung] noch einmal nach oben. Für mich wäre vor allem hilfreich zu wissen, ob das Thema grundsätzlich zu eurer Planung passt.
Falls ja, schicke ich gern die konkreten Eckdaten. Falls es aktuell nicht passt, reicht mir auch ein kurzes Nein.
Viele Grüße
[Dein Name]
Die Formulierung gibt der Marke zwei saubere Ausgänge: Interesse oder Absage. Du verlangst keine Erklärung.
Fall B: Die Marke hat Interesse, aber nichts passiert
Hier wäre ein allgemeines Follow-up sogar zu schwach. Es gab bereits eine positive Reaktion. Jetzt braucht der Vorgang einen nächsten Schritt.
Hallo [Name],
danke noch einmal für eure Rückmeldung zu meiner Idee. Damit wir sehen, ob wir zusammenkommen, würde ich als Nächstes gern Umfang, Zeitraum und gewünschte Nutzung klären.
Wenn ihr schon ein Briefing habt, schickt es mir gern. Alternativ kann ich euch auf Basis der bisherigen Idee ein konkretes Paket vorschlagen.
Was ist für euch der sinnvollere nächste Schritt?
Diese Nachricht zwingt niemanden in einen Termin. Sie bietet zwei konkrete Wege an.
Fall C: Dein Angebot wartet auf eine Entscheidung
Sobald ein Preis und ein Leistungsumfang auf dem Tisch liegen, solltest du nicht noch einmal „die Kooperation“ erklären. Frag nach dem Angebot selbst.
Hallo [Name],
ich wollte kurz prüfen, ob zu meinem Angebot für [Leistung/Kampagne] noch Fragen offen sind. Für meine Planung wäre hilfreich zu wissen, ob ihr mit dem vorgeschlagenen Umfang weiterarbeiten möchtet.
Falls ihr an einem Punkt etwas anpassen wollt, sagt mir gern, welcher Teil es ist. Dann kann ich gezielt darauf eingehen.
Viele Grüße
[Dein Name]
Damit öffnest du die Tür für ein Gegenangebot, ohne deinen Preis vorsorglich selbst zu reduzieren.
Deine Wiedervorlage: offene Pitches brauchen ein nächstes Datum
Eine Follow-up-Routine scheitert selten am Text. Sie scheitert daran, dass niemand mehr weiß, wann welche Mail rausging. Dafür reicht eine kleine Liste mit fünf Spalten.
| Marke | Worum geht es? | Aktueller Stand | Letzte Aktion | Nächste Aktion |
|---|---|---|---|---|
| Velune | Reel-Idee Herbst | Erstmail offen | Pitch gesendet | einmal nachfassen |
| Avorae | Produktserie | Interesse da | Eckdaten erhalten | Paket senden |
| Lunava | Monatskooperation | Angebot offen | Angebot geschickt | Entscheidung erfragen |
Die Namen sind erfunden. Wichtiger als das Werkzeug ist die Disziplin: Sobald du eine Mail sendest, trägst du den nächsten Schritt ein. So prüfst du offene Vorgänge gesammelt, statt dein Postfach nach Bauchgefühl zu durchsuchen.

Eine eigene Frist ist besser als ein angeblich perfekter Zeitpunkt
Für Nachfass-Mails gibt es keinen Zeitpunkt, der für jede Marke und jede Kampagne automatisch richtig ist. Bei einem kurzfristigen Projekt kann eine Entscheidung schneller nötig sein als bei einer Idee für einen späteren Monat.
Setz deshalb eine eigene Arbeitsregel. Beispiel: Wenn du eine Pitch-Mail verschickst, legst du dir ungefähr eine Woche später eine Wiedervorlage. Nicht weil nach exakt dieser Zeit jede Marke antworten müsste, sondern weil du sonst offene Vorgänge vergisst. Hast du in der ersten Mail selbst um eine Rückmeldung bis zu einem bestimmten Datum gebeten, orientierst du dich natürlich daran.
Noch wichtiger: Nachfassen ist kein Dauerzustand. Wenn auf deine Erinnerung nichts kommt, kannst du den Vorgang für diese konkrete Idee schließen. Das heißt nicht, dass du die Marke nie wieder kontaktierst. Es heißt nur, dass du nicht wochenlang dieselbe Anfrage offen hältst.
Was eine gute Nachfassmail neu hinzufügt
Eine Erinnerung darf kurz sein, sollte aber einen Grund haben. Neu kann zum Beispiel sein:
- ein nun feststehender Zeitraum,
- eine konkretere Content-Idee,
- ein bereits vorbereitetes Paket,
- eine Frage zu einem einzelnen offenen Punkt,
- die Information, dass du deine Planung für den Monat abschließt.
Nicht hilfreich ist künstlicher Druck. Sätze wie „Ich brauche heute noch eine Antwort“ passen nur, wenn es tatsächlich eine vorher vereinbarte Frist gibt. Auch „Ich habe schon mehrfach versucht, euch zu erreichen“ macht eine geschäftliche Anfrage selten angenehmer.
Wenn du beim ersten Pitch schon das Gefühl hast, dass die Nachricht zu allgemein war, repariere nicht nur das Follow-up. Überarbeite die Ausgangsidee. Der Ratgeber Marken anschreiben als Influencer zeigt, wie ein konkreter Pitch aufgebaut ist. Falls dir schon der richtige Eingang fehlt, hilft Ansprechpartner für Influencer-Kooperationen finden.
Der Unterschied zwischen Nachfassen und Neuverhandeln
Sobald die Marke mit einer Gegenfrage oder einem anderen Budget zurückkommt, bist du nicht mehr im Follow-up. Dann beginnt eine neue Abstimmung. Vermisch beides nicht.
Beispiel: Du hast ein Paket angeboten, die Marke fragt nach einer zusätzlichen Story. Deine nächste Mail ist keine Erinnerung, sondern eine Anpassung des Angebots. Genau dort sollte wieder klar stehen, was sich am Umfang ändert.
Für Agenturen ist eine solche Übersicht Teil einer Sales-Pipeline. Wenn du sehen willst, wie Anfragen strukturiert nachverfolgt werden können, ist Sales-Pipeline für Influencer-Agenturen eine nützliche Perspektive. Als einzelner Creator brauchst du dafür am Anfang meist keine komplexe Lösung.
Mit Management: Follow-up und Deal-Status sind zwei verschiedene Dinge
Übernimmt ein Management deine Markenkommunikation, ist die interne Nachfassroutine Sache des Managements. Im Creator-Portal von CreatorOffice siehst du nicht dessen Akquise-Pipeline. Du siehst die Informationen, die deinen betreuten Deal betreffen:
- welche Kooperation aktiv ist und in welchem Monat sie liegt,
- welcher Abgabetermin für deinen Content geplant ist,
- welches Briefing hinterlegt wurde,
- ob dein Entwurf geprüft wird oder eine Korrektur offen ist,
- welche Verträge du noch unterschreiben sollst,
- welche Rechnung eingereicht, freigegeben oder bezahlt wurde,
- welche Nachricht dein Management direkt am Deal geschickt hat.
Den Zugang bekommst du per Einladung deines Managements. Die Handy-Ansichten siehst du auf Für Creator.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich bei einer Kooperationsanfrage nachfassen?
Setz dir eine klare interne Regel und vermeide eine endlose Folge von Erinnerungen. Wenn auf eine freundliche, konkrete Nachfassmail weiterhin nichts kommt, kannst du die aktuelle Anfrage schließen und deine Zeit in andere Kontakte stecken.
Was schreibe ich, wenn eine Marke gar nicht geantwortet hat?
Hol den Kern deiner ursprünglichen Idee in ein bis zwei Sätzen zurück und frag, ob das Thema grundsätzlich interessant ist. Wiederhole nicht dein komplettes Media-Kit oder die ganze Vorstellung.
Wie fasse ich nach, wenn die Marke schon Interesse gezeigt hat?
Schlag einen konkreten nächsten Schritt vor: Briefing erhalten, Umfang klären oder Angebot schicken. So wird aus einem unverbindlichen „klingt spannend“ ein Vorgang, den beide Seiten weiterbearbeiten können.
Soll ich beim Nachfassen meinen Preis reduzieren?
Nicht automatisch. Wenn die Marke dein Angebot noch gar nicht abgelehnt hat, gibt es keinen Grund, dir selbst zuvorzukommen. Frag zuerst, ob Fragen offen sind oder welcher Teil des Angebots angepasst werden soll.
Was mache ich mit alten Pitches ohne Antwort?
Markiere sie als abgeschlossen, statt sie dauerhaft offen zu lassen. Für eine spätere, wirklich neue Idee kannst du die Marke erneut kontaktieren. Dann beginnt aber ein neuer Pitch und nicht die vierte Erinnerung zur alten Mail.
CreatorOffice für Creator
Wenn dein Management CreatorOffice nutzt, siehst du den operativen Stand deiner betreuten Kooperationen im Creator-Portal. Die Akquise und das Nachfassen bei Marken bleiben Aufgabe deines Managements und sind für dich dort nicht als interne Pipeline sichtbar.


